Kubuntu-de.org Wiki

Team:Redaktion/Nachrichten/KDE 4.0

Aus Kubuntu-de.org Wiki

Hilfe: Hilfe:Redaktion

Bitte die Diskussion zur Seite beachten und die Anregungen umsetzen oder begründet zurückweisen. Diskussion:Diskussionsseite.


  • Status:Veröffentlicht
  • Geplante Veröffentlichung:11.01.2008

Inhaltsverzeichnis

KDE 4.0 ist erschienen - Pakete für Kubuntu verfügbar

Wie geplant, haben die KDE Entwickler heute die erste stabile Version von KDE 4.0 freigegeben. Diese Freigabe markiert den Startpunkt der KDE 4 Ära. Die Desktopumgebung erfuhr umfangreiche Änderungen und Verbesserungen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Die Kubuntu Entwickler stellen Pakete für Kubuntu 7.10 Gutsy Gibbon und 8.04 Hardy Heron zur Verfügung. Wenn Sie das neue KDE ohne Installation und Risiko testen möchten, so laden Sie sich die Kubuntu Live-CD mit KDE 4.0 herunter.

Eine Vision wird Wirklichkeit

KDE 4.0 ist endlich erschienen. Nach mehreren Jahren intensiver Entwicklungsarbeit und zuletzt mehreren Monaten Verspätung ist der Traum der KDE-Gemeinschaft Wirklichkeit geworden.

Die Ansprüche an das neue KDE sind hoch: Nicht mehr und nicht weniger als die Revolution des Desktops wurde angestrebt. Dennoch sollte man von der heute freigegebenen Version 4.0 nicht zu viel erwarten, denn einige spannende Features der neuen Desktopoberfläche sind derzeit noch nicht vollständig implementiert. Deshalb muss betont werden: KDE 4.0 ist nicht KDE4 wie Entwickler Stephan Binner aka beineri in seinem Blog schreibt, vielmehr ist es der Anfang eines Jahre andauernden Release-Zyklus.

KDE 4.0 unter Kubuntu Gutsy Gibbon installieren

Für Kubuntu 7.10 Gutsy Gibbon und die aktuelle Entwicklungsversion sind bereits Pakete verfügbar.

KDE 4.0 installiert sich in das Verzeichnis /usr/lib/kde4 und kann daher neben einem bestehenden KDE 3 installiert werden. Ein Test ohne Installation ist mit der KDE 4 Live CD möglich.

Anleitung:

  • Zuerst müssen eventuell vorhandene Pakete einer vorherigen KDE 4 Installation entfernt werden, da sie nicht mehr kompatibel sind mit KDE 4 (apt-get remove kdelibs5 kde4base-data kde4libs-data)
  • Danach folgende Paketquelle zur Datei /etc/apt/sources.list hinzufügen "deb http://ppa.launchpad.net/kubuntu-members-kde4/ubuntu gutsy main"
  • Das Paket "kde4-core" installieren. Dabei sollte beachtet werden, das persönliche Paketarchive nicht mit einem Schlüssel authentifiziert werden. Bei der Installation muss also eine Warnung bestätigt werden.
  • Die KDE 4 Applikationen erscheinen im KDE 3 KMenü, man kann aber auch durch Anwählen von "KDE 4" in der Anmeldemaske eine vollwertige Sitzung starten.
  • Um das Betreiben eines zweiten X-Servers zu vermeiden, kann xserver-xephyr installiert werden. Danach Xephyr :1 & export DISPLAY=:1; xterm in der Konsole ausführen und startkde in dem Xerphyr xterm eingeben.

Das Wichtigste im Überblick

Das Offensichtlichste ist erstmal die neue Fensterdekoration und das neue Iconset: Oxygen orientiert sich an den Vorgaben des freedesktop.org Projekts und sorgt so für ein einheitliches, konsistentes und wahnsinnig gut aussehndes Äußeres der neuen Desktopumgebung Plasma, die nun auch das neue Panel bereitstellt, und es ermöglicht zahlreiche kleine Anwendungen, sogenannte Widgets, zu starten.

Hinzu kommen unzählige kleine und größere Änderungen an der Benutzeroberfläche. So gibt es einen neuen Datei-Öffnen Dialog, Dolphin ist ein ausgewachsener Dateimanager geworden, der kaum Wünsche übriglässt und der Befehl-Ausführen-Dialog wurde um zahlreiche nützliche Features erweitert. Nicht zu vergessen ist Kickoff, welches das alte KMenu ersetzt.

Alle diese Änderungen würden allerdings höchstens ein 3.6.x Release rechtfertigen, wenn es denn die Einzigen wären. Die wichtigsten Änderungen in KDE 4.0 sind für den Nutzer unsichtbar. Die KDE-Community hatte sich entschieden einen Großteil der Basis zu überarbeiten. Den Anfang machte hierbei die Portierung auf das Qt-Toolkit von Trolltech in der Version 4, das es ermöglicht KDE4 Anwendungen unter allen bekannten Betriebsystemen laufen zu lassen. Alle grundlegenden Programmbibliotheken - die kdelibs - wurden entschlackt und überarbeitet.

Dazu kamen viele Basistechnologien, die es vor allem erleichtern sollen Anwendungsprogramme für KDE4 zu schreiben. Einige dieser Basistechnologien wie Solid und Phonon werden schon in der Version 4.0 enthalten sein, andere wie Decibel oder Akonadi erst mit den Folgeversionen. Auch wenn sich diese Technologien für den Nutzer sehr versteckt und im Hintergrund halten, wird ihre volle Wirkung erst mit ihrer Einbettung in den Anwendungsprogrammen zutage treten und nach und nach das volle Potenzial von KDE 4 freilegen.

Grundlegendes

Plattformunabhängigkeit

Bei der Entwicklung von KDE4 wurde ebenfalls großer Wert auf die Plattformunabhängigkeit gelegt. KDE4 Applikationen sollen problemlos auf allen Systemen (Windows, Mac OS X, usw.) laufen und werden derzeit portiert. Dies ist unter anderem durch die hohe Flexibilität von Qt möglich. So wurde beispielsweise Amarok 2 nach knapp 2 Tagen auf Windows zum ersten Mal kompiliert und gestartet. Eine Portierung von Plasma ist derzeit nicht geplant, auch wenn die Entwickler bereits verlauten ließen, dass es sie nicht wundern würde, wenn "irgendein Verrückter" Plasma auf Windows portieren würde. In einem Proof-of-Concept wurde Plasma bereits auf dem Neo1973 Smartphone kompiliert und gestartet.

Qt 4

Das Qt Toolkit der Firma Trolltech ist das Fundament von KDE und mit der neuen Generation Qt4 hat sich einiges geändert. So wurde beispielsweise die gesamte Bibliothek feiner unterteilt was Programme kleiner und speicherschonender machen soll. Dies führte dazu, dass die neue KDE-Version sehr viel weniger Speicher benötigt als sein Vorgänger. Ein wichtiger Bestandteil von Qt 4 ist die neue Paintengine "Arthur", welche auch unter anderem OpenGL weitaus effektiver nutzen kann als Qt 3. Auch eine umfangreiche SVG-Funktionalität wurde hinzugefügt.
Qt4.4 (Veröffentlichung für das 1. Quartal 2008 geplant) steht bereits in den Startlöchern und wird unter anderem Amarok 2 als Grundlage dienen.

Phonon

Phonon ist hingegen einiger Befürchtungen kein neues Soundsystem im Sinne von GStreamer oder ähnlichem, sondern eine Schicht zwischen dem Soundsystem und Audioprogrammen. Phonon ist nicht dazu gedacht komplexe Multimedibearbeitung zu ermöglichen sondern dient der einfachen Aus- und Eingabe von Multimediadaten an ein Backend (wie z.B. GStreamer, Xine, usw.). Ein Vorteil ist hier beispielsweise die Plattformunabhängigkeit aber auch die Flexibilität. So brauchen KDE4 Anwendungen keinerlei Kenntnis von der unterliegenden Multimediaarchitektur zu haben, sondern sprechen diese über Phonon an.

Es muss auch nicht extra auf jeder Plattform ein Soundsystem installiert werden damit KDE4 Programme funktionieren. Sie können einfach über ein Backend auf die Fähigkeiten der unterliegenden Plattform zugreifen. Sollte der Benutzer während der Arbeit sich dazu entscheiden das Soundsystem zu wechseln, braucht Phonon nur das Backend auszutauschen, ohne dass die laufenden KDE4 Applikationen davon beeinträchtigt werden. Somit gehören Probleme wie ein schlafender Artsdaemon (aRts wurde in KDE3 und darunter zum Abspielen und Aufzeichen von Sounds verwendet), dessen Puffer sich mit der Zeit füllte und sich beim Aufwecken in einem Wust aus übereinanderliegenden Geräuschen entleerte, endgültig der Vergangenheit an. Zusätzlich wird es auch möglich sein die Soundausgabe von Programmen aufeinander reagieren zu lassen. Während der Benutzer beispielsweise einen Webstream ansieht, könnten alle anderen Programme kurzzeitig stummgeschaltet werden.
Trolltech hat bereits angekündigt, dass Phonon Teil der nächsten Qt Versionen werden wird.

Bild:Phonon.png

Solid

Solid ist wie Phonon ein Framework und ermöglicht KDE4 Applikationen den Zugriff auf die Hardware. So sorgt ein Backend des Networkmanager dafür, dass Programme immer den Status der Netzwerkanbindung kennen. Verlässt man beispielsweise einen WLAN-Hotspot, schalten alle Programme, die eine Internetverbindung benötigen, in den Offlinemodus. Da Solid aber noch recht neu ist muss diese Technologie noch in die Programme implementiert werden. Desweiteren verfügt Solid derzeit über Backends für die Energieverwaltung und Bluetooth.

Strigi

Strigi ist die schon aus Gutsy Gibbon bekannte kleine, sehr schnelle, indexbasierte Desktopsuche. Im Gegensatz zur KDE 3 Version ist sie nun wesentlich ausgereifter und ist zusammen mit den semantischen Funktionen von Nepomuk ein mächtiges Suchwerkzeug. Ähnlich wie mit Beagle unter Gnome lassen sich nun die eigenen Dateien indizieren und schnell durchsuchen. Zudem arbeitet Strigi sehr ressourcenschonend und belastet das System nicht so stark wie andere Desktop-Suchmaschinen.

Nepomuk

Nepomuk ist kein reines KDE-Projekt sondern ein großes Forschungs- und Entwicklungsprojekt, in dem zahlreiche Firmen, Forscher und Entwickler daran arbeiten die Vision eines semantischen Desktops umzusetzen und so die Verwaltung von Informationen mittels Informationstechnologie zu revolutionieren.

Mit der Implementation von Nepomuk in KDE4 ist es nun möglich Dateien zu bewerten, zu kommentieren und mit Schlagworten (sogenannten Tags) zu versehen. Ähnlich wie beim Durchssuchen von Blogs oder Multimediaseiten wie Youtube, ist es mit Nepomuk möglich einfach nur nach den jeweiligen Tags zu suchen. Da diese auch nach dem Umbenennen von Dateien erhalten bleiben, lassen sich so auch versehentlich umbenannte Dateien einfach und schnell wiederfinden. Mit dem Tagsystem lassen sich Dateien auch nach Inhalten ordnen. So könnte man ein Tag mit der Bezeichnung "Hund" anlegen, welches sämtliche Videos oder Bilder auf denen ein Hund zu sehen, beinhaltet. Nepomuk ist bereits in Dolphin integriert.

Die Sichtbarsten Veränderungen gegenüber KDE 3.5.x

Plasma

Die sicherlich auffälligste Veränderung an KDE4 ist Plasma, der neue Desktop. Hier wird voll und ganz auf das Konzept von Widgets gesetzt. Hinter den Widgets verbergen sich kleine Programme, die unter anderem den Ladestand des Akkus, RSS-Feeds oder Uhren auf dem Desktop anzeigen. Die Widgets lassen sich nicht nur frei auf dem Desktop platzieren, sondern können auch in der Taskbar platziert werden. Hierfür mussten früher 2 unterschiedliche Programme geschrieben werden.

Das Widget selbst erkennt in welchem Umfeld es abgelegt wurde und passt sich in Größe und Verhalten seiner Umgebung an. So würde zum Beispiel ein Widget welches viele Informationen anzeigt sich in der Taskbar platzsparend verhalten und nur wenig ausgewählte Informationen anzeigen und auf dem Desktop eventuell noch eine passende Grafik oder dergleichen präsentieren. Da die Miniprogramme komplett auf SVG Vektorgrafiken basieren, sind sie frei rotierbar und können beliebig skaliert werden.

Ein weiterer Ansatz ist die neue Taskbar, die selbst nur ein Widget ist, in dem weitere Widgets abgelegt werden können. So sind die Taskleiste, der K-Button oder die Systray nichts anderes als Widgets, die man je nach Belieben platzieren oder austauschen kann. Damit kann sich jeder Benutzer einen komplett individuellen Desktop zusammenstellen.

Da Plasma eines der letzten Projekte ist, die in der Entwicklung von KDE4 in Angriff genommen wurden, gibt es derzeit noch recht wenige Widgets zur Auswahl. Zudem ist das Panel nur sehr eingeschränkt konfigurierbar.

Bild:Plasma.jpeg Bild:KDE4-Plasma.png

Systemeinstellungen

Lange war KControl für die Konfiguration von KDE zuständig. Für viele Benutzter war es allerdings wegen seiner vielen Optionen und der Struktur zu unübersichtlich. Kubuntu hat deshalb die Systemeinstellungen eingeführt, was nun seinen Weg in KDE4 gefunden hat, um KControl zu ersetzen. Die Übersichtlichkeit des Konzepts macht es KDE Neulingen einfach die Umgebung nach ihren Wünschen einzurichten, bietet aber auch weiterhin erfahrenen Benutzern tiefgreifende Möglichkeiten den Desktop zu konfigurieren.

Bild:KDE4-Systemeinstellungen.png

Dolphin

Der Dateimanager Dolphin wurde für KDE4 komplett neugeschrieben. Neben den Funktionen für Nepomuk bietet er auch ein neues Anzeigemodell, das Dateien in Gruppen sortiert und verwalten lässt (z. B. alphabetisch, nach Benutzerrechten usw.). Die Baumansicht, die viele Nutzer bei der KDE 3 Version von Dolphin so vermisst haben, ist wieder vorhanden. Und eine Spaltenansicht, wie sie von OS X bekannt ist, wurde implementiert, so dass Dolphin sich nun mit umfangreichen Funktionen ausgestattet ganz auf seine Hauptaufgabe, die Dateiverwaltung, konzentrieren kann. Es ist natürlich auch weiterhin möglich Konqueror als Dateimanager zu nutzen.

Bild:Dolphin.png Bild:KDE4-Dolphin-Symbole.png Bild:KDE4-Dolphin-Spalten.png

Oxygen

Das neue Gesicht von KDE trägt den Namen Oxygen. Hierzu gehört nicht nur ein neues Look&Feel für die Fenster sondern auch eine ganze Wagenladung an Icons, die an den Benennungsstandard von freedesktop.org angepasst wurden. Erklärtes Ziel war es die Icons einheitlich und zueinander passend zu gestalten und im Vektorformat SVG zu Verfügung zu stellen. Dies ermöglicht freie Skalierbarkeit sowie dynamische Farbänderungen. Ein passender KDE-Stil mit dazugehörigem Cursor-Theme und neue Sounds runden das Gesamtbild ab.

Bild:Oxygen.png

KWin

Seit der Einführung von AIGLX ist der XServer in der Lage grafische Effekte im Stile von Mac OS X darzustellen. Für solche Effekte wird ein so genannter Compositemanager wie z.B. Compiz-Fusion benötigt. Da Compositing nicht nur schön aussieht, sondern auch interessante Möglichkeiten für die Bedienbarkeit ermöglichen, hat man KWin mit einem eigenen Compositemanager ausgestattet, die bei Bedarf - und geeigneter Hardware - aktiviert werden können.

KRunner

Während man früher mit dem Menüpunkt "Befehl ausführen" nur Befehle ausführen konnte, wurde nun als Ersatz KRunner integriert. KRunner wurde stark erweitert und vereint nun Katapult, Strigi und die Kommandozeile in sich. Wird ein Begriff eingegeben, werden alle Quellen gleichzeitig durchsucht und je nach Ergebnis unterschiedliche Optionen zur Auswahl angeboten.

Bild:Krunner.jpeg

Ausblick auf KDE 4.x

Ganz nach dem Paradigma der OpenSource-Welt "Release often, release early" (Veröffentliche oft und früh), sind in dieser ersten Freigabe von KDE4 einige Kerntechnologien des KDE4-Desktops noch nicht vorhanden. Dazu gehört vor allem Akonadi, die Basis für das Persönliche Informationsmanagement in KDE. Akonadi soll eine zentrale Basis für alle Arten von Groupware-Daten bieten, auf die dann alle Programme einfach und zugreifen können. Dabei soll vermieden werden, dass sich die Programme in die Quere kommen oder die Daten von einem Format in das andere konvertiert werden müssen.

Hauptsächlich ist zu erwarten, dass viele der bereits vorhandenen Technologien in die Anwendungsprogramme implementiert und nach und nach alle KDE Programme auf Qt4 und KDE4 portiert werden. Dazu gehören auch einige wichtige Anwendungsprogramme, wie beispielsweise Amarok oder KOffice, dessen Version 2.0 nicht rechtzeitig zum Veröffentlichungstermin fertiggestellt werden konnte, in das aber große Hoffnungen gesetzt werden. Insbesondere soll KOffice2 einmal zur Standard Office-Software für Kubuntu werden.

Heiß erwartet wird auch der Audioplayer Amarok2. Dieser wird eine komplett überarbeite Benutzeroberfläche bieten, die den Kontextbrowser in den Mittelpunkt stellt. Die beliebten Online-Dienste, wie das Abrufen von Kontextinformationen aus der Wikipedia oder die Einbindung des Magnatune-Shops bekommen Gesellschaft.

Quellen